2026 ist das Jahr, in dem es ernst zu nehmende offene KI-Modelle aus Deutschland gibt. Mit Kolibri von Aleph Alpha und Soofi S aus einem Forschungskonsortium sind zwei deutsch-englische Sprachmodelle mit offenen Gewichten erschienen. Dazu kommen Modelle aus Frankreich, der Schweiz und EU-Projekten. Wer KI ohne Abhängigkeit von US-Anbietern betreiben will, hat damit echte Auswahl. Die Spitze bei den Fähigkeiten halten weiterhin die großen Modelle aus den USA und China, aber für viele Aufgaben in Unternehmen reichen die europäischen Modelle aus.
Welche Modelle gibt es?
- Kolibri (Aleph Alpha, Heidelberg): seit Oktober 2026, 78 Milliarden Parameter, davon rund 3,5 Milliarden pro Wort aktiv, Gewichte unter Apache 2.0. Stark auf Deutsch, für Rechenzentrums-GPUs gebaut. Mehr in unserem Beitrag Kolibri.
- Soofi S (Konsortium, trainiert in der Industrial AI Cloud der Telekom in München): seit Juli 2026, rund 31 Milliarden Parameter, davon etwa 3 Milliarden aktiv, mit stärkerer Gewichtung der deutschen Sprache. Besonders offen: Neben den Gewichten sollen auch Angaben zu den Trainingsdaten sowie Trainings- und Evaluationscode veröffentlicht werden.
- Mistral (Frankreich): der bekannteste europäische Anbieter, mehrere Modelle mit offenen Gewichten, darunter große Modelle unter Apache 2.0.
- Apertus (Schweiz): von ETH Zürich, EPFL und dem Schweizer Supercomputing-Zentrum, mit offengelegter Architektur, Gewichten, Trainingsdaten und Methode.
- EuroLLM: EU-gefördertes Modell, das alle EU-Amtssprachen abdeckt.
- Teuken (OpenGPT-X): ein früheres deutsches Projekt, das Soofi ablösen soll.
- FLUX (Black Forest Labs, Freiburg): kein Sprachmodell, sondern Bild-KI, teils mit offenen Gewichten, mehr in KI-Bilder 2026.
Versionen und Lizenzen ändern sich schnell. Prüfen Sie vor dem Einsatz die aktuelle Modellkarte des Anbieters.
Was heißt „souverän“ eigentlich?
Der Begriff wird unterschiedlich gebraucht. Gemeint sein kann, dass das Modell in Europa entwickelt wurde, dass die Gewichte frei verfügbar sind, dass Trainingsdaten offengelegt werden oder dass es auf eigener Infrastruktur läuft. Für Ihr Unternehmen zählt vor allem der letzte Punkt: Läuft das Modell auf einem Server, den Sie kontrollieren, verlassen Ihre Daten das Haus nicht, egal woher das Modell stammt.
Wo können Sie die Modelle betreiben?
- Auf eigenen Servern: volle Kontrolle, aber Sie brauchen passende Hardware, mehr in Lokale KI in der Praxis.
- Bei europäischen Cloud-Anbietern: IONOS, OVHcloud oder STACKIT betreiben offene Modelle in europäischen Rechenzentren.
- Gemischt: sensible Aufgaben lokal, unkritische bei einem EU-Anbieter.
Wie geht es weiter?
Die Politik setzt auf das Thema: Am 19. Oktober 2026 haben Bundeswirtschafts- und Bundesforschungsministerium mit Nvidia eine Absichtserklärung für offene, spezialisierte KI-Modelle für die Industrie unterzeichnet. Für den Mittelstand heißt das: Die Auswahl an europäischen Modellen wird größer, und der Betrieb in Deutschland wird einfacher.
Quellen
- Aleph Alpha: Kolibri has landed
- Lamarr-Institut: Soofi S: A Sovereign, Open-Source Foundation Model for German and English
- Soofi S auf Hugging Face
- netzhandwerker: Europäische KI-Modelle 2026
- Quasa: Deutschland und Nvidia planen Industrie-KI mit offenen Modellen